10.06.2026

Gemeinsam Lehre gestalten – Tag der Lehre 2026

Am 10. Juni 2026 öffnete die Hochschule Hannover ihre Türen für den jährlichen Tag der Lehre. An diesem Tag wurde nicht nur die Qualität der Lehre gefeiert, sondern auch ein transparenter Entwicklungsprozess zwischen Lehrenden und Lernenden in den Vordergrund gestellt.

Seit 2025 wird der HsH-Lehrpreis im Rahmen des Tags der Lehre verliehen. Anders als klassische Evaluationen beruhte die Auszeichnung ausschließlich auf Nominierungen von Studierenden aus allen fünf Fakultäten. Im zweiten Jahr der Verleihung erreichte das Servicezentrum Lehre rund 150 Nominierungen – ein deutliches Zeichen dafür, wie intensiv die Studierenden sich mit der Qualität und Methodik von Lehre und Lernen auseinandersetzen. 

Der Preis verfolgt das Ziel, herausragende Lehrveranstaltungen, innovative Konzepte und besonderes Engagement sichtbar zu machen. Durch den Nominierungsprozess wurden die Studierenden selbst zu Mitgestalter*innen der Lehrkultur und stärkten so den Dialog über gelingendes Lernen und Lehren. 

Kriterien, Verfahren und Jury 

Für die Nominierung standen drei zentrale Aspekte im Fokus: eine gut strukturierte und organisierte Lehrveranstaltung mit einem klaren „roten Faden“, ein hoher Praxisbezug sowie der Einsatz innovativer Lehrmethoden und digitaler Medien. Nach der Nominierung konnten die nominierten Lehrenden ein ausführliches Lehrkonzept (optional ergänzt durch anonyme Evaluationsberichte) einreichen. 

Eine interdisziplinäre Jury – bestehend aus Vertreter*innen aller Fakultäten, der Vizepräsidentin für die Ressorts „Lehre und Studium, Chancengleichheit sowie Internationales“, dem/der Tutor*innenbeauftragten, ein bis zwei Studierenden, Mitarbeitenden zentraler Einrichtungen sowie externen Fachleuten, wählte zunächst eine Shortlist von drei Kandidat*innen pro Fakultät. In einer anonymen Abstimmung entschied die Jury anschließend über die Sieger*innen. 

Impressionen vom Tag der Lehre 2026

Preisträger*innen 2026 

  • Fakultät I – Prof. Dr. Joachim Paulke wurde für seine Vorlesung Grundlagen der Energieversorgung ausgezeichnet. Die Studierenden lobten den klaren roten Faden, die anschauliche Vermittlung komplexer Inhalte und den starken Praxisbezug, der Mut und Selbstvertrauen im Umgang mit technischen und gesellschaftlichen Fragestellungen fördert.
  • Fakultät II – Dr. Franz Hanauska erhielt den Preis für Mathematik 1. Durch aktivierende Hörsaalübungen, ein strukturiertes Hausaufgaben- und Bonussystem sowie individuelles Feedback schuf er eine wertschätzende Lernatmosphäre, in der er komplexe Inhalte verständlich und schrittweise erklärte. 
  • Fakultät III – V-Prof. Thorsten Heermann wurde für das Seminar Medienrecht, Urheberrecht und Werberecht geehrt. Praxisnahe Rollenspiele, aktuelle Beispiele wie das Musikvideo von Danger Dan und ein modularer Aufbau ermöglichten den Studierenden, juristische Inhalte aktiv zu verstehen und anzuwenden. 
  • Fakultät IV – Prof. Dr. Maik von Fischer gewann für Methoden der SCM. Die Lehrveranstaltung verbindet interdisziplinäre Fallstudien, Peer Teaching und die Entwicklung realer Logistikkonzepte, wodurch Studierende eigenständiges Denken und strukturierte Problemlösung erlernen. In der studentischen Nominierung wurden insbesondere die hohe Motivation, die intensive Betreuung und die inspirierende Lehrweise hervorgehoben. 
  • Fakultät V – Prof. Dr. Dorothee Meyer wurde für das Seminar Gemeinsam lernen: Politik und Inklusion ausgezeichnet. In einem inklusiven Lernraum arbeiteten Studierende gemeinsam mit Menschen mit geistiger Behinderung, nutzten leichte Sprache und intensive Begleitung – ein gelebtes Beispiel für Teilhabe und Motivation. 

Das beste Tutorium wurde an Ali Faruk Gönülalan für sein Tutorium Statistik 2 (BBA, Fakultät IV) verliehen. Die Studierenden betonten die strukturierte Erklärung, die über die regulären Termine hinausgehende Betreuung, die Bereitstellung zusätzlicher Übungsmaterialien und die außergewöhnliche Erreichbarkeit des Tutors.

Der HsH-Genderpreis 2026 ging an Tabea Heselmann. Ihre Abschlussarbeit „Autismus Spektrum und Geschlecht – Weiblich aber nicht ‚typisch autistisch‘?“ analysiert, wie geschlechtsspezifische Stereotype die Diagnostik im Autismus Spektrum verzerren. Die Arbeit liefert wichtige Impulse für eine geschlechtergerechte therapeutische Praxis. Die Prüfung erfolgte durch Prof. Dr. Dorothee Meyer und Prof. Dr. Ulrike Ernst (Fakultät V, Heilpädagogik). 

Rahmenprogramm und Workshopangebot 

Das Rahmenprogramm knüpfte an die Leitfrage an, wie Lehrende ihre Zielgruppe noch besser verstehen und begleiten können. Die Hochschule Hannover weist einen besonders hohen Anteil an Erstakademiker*innen auf, mehr als die Hälfte der Studierenden stammt aus Familien ohne akademische Vorerfahrung. Diese Vielfalt wurde bewusst als Chance genutzt. 

Im Anschluss an die Preisverleihung fand eine Talkrunde mit Studierenden der ersten Generation statt, die Lehrenden Einblicke in unterschiedliche Bildungsbiografien, Lernrealitäten und Herausforderungen gab. Ziel war es, Lernräume zu schaffen, die Potenziale sichtbar machen, Teilhabe fördern und akademischen Erfolg unabhängig von sozialer Herkunft ermöglichen. 

Die Workshops des Tages behandelten aktuelle Themen der Hochschuldidaktik: 

  • Generation XYZ – Ticken Studierende heute anders? (Prof. Dr.-Ing. Peter Hartel) 
  • Nichtverstehen verstehen (Prof. Dr. Peter Riegler) 
  • Agile Lernteams mit „Kickboxen“ in Präsenz- und Online-Lehre (Prof. Dr. Patricia Adam) 
  • Performative Integrität – Wie Studierende KI-Rituale entwickeln (Chadi Jmai) 
  • Umgang mit Diskriminierung im Hochschulkontext (Tarah Tanita Truderung) 

Mit ihrem Poetry-Slam-Stück über die Hochschule Hannover elektrisierte Antonia Josefa außerdem das Publikum.

Ausblick 

Der Tag der Lehre 2026 verdeutlichte, dass gute Lehre an der Hochschule Hannover ein gemeinsamer Entwicklungsprozess ist, bei dem Studierende nicht nur Empfänger*innen, sondern aktive Gestalter*innen sind. Durch die öffentliche Würdigung herausragender Lehrleistungen, die Einbindung von Erstakademiker*innen und die Auseinandersetzung mit Themen wie Inklusion, Gender und KI-Ethik setzte die HsH ein starkes Signal für eine zukunftsorientierte, inklusive und studierendenzentrierte Hochschulbildung.