Erste CO-OP-Weiterbildung für Ergotherapeut*innen
Praxisnah, evidenzbasiert, direkt anwendbar: Unter der Leitung von Prof. Dr. Simone van Kampen vermittelte die erste CO-OP-Weiterbildung an der HsH-Akademie Ergotherapeut*innen einen wissenschaftlich fundierten Ansatz für die therapeutische Praxis. Glückwunsch an alle Absolvent*innen!
Wie gelingt es, einen wissenschaftlich fundierten Therapieansatz so zu vermitteln, dass er im Berufsalltag tatsächlich ankommt?
Als zentrale Einrichtung für wissenschaftliche Weiterbildung der Hochschule Hannover entwickelt die HsH-Akademie praxisnahe Weiterbildungsangebote für Fach- und Führungskräfte. Mit CO-OP (Cognitive Orientation to daily Occupational Performance) wurde nun erstmals eine Weiterbildung speziell für Ergotherapeut*innen angeboten.
Geleitet wurde der Kurs von Prof. Dr. Simone van Kampen, Professorin für Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Sie ist selbst Ergotherapeutin und vermittelt den CO-OP-Ansatz bereits seit vielen Jahren. Für sie steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr ein wirksamer Ansatz die eigene Arbeitszufriedenheit trägt – das möchte ich weitergeben. Und ich möchte zeigen: Evidenz ist kein trockenes Theoriethema, sondern ein praktisches Werkzeug für den Alltag.“
Die Weiterbildung vermittelt den CO-OP-Ansatz mit einem klaren Fokus auf die praktische Anwendung. Zwischen den Workshopterminen konnten die Teilnehmenden das Gelernte bereits mit eigenen Klient*innen umsetzen. Beim abschließenden Konsolidierungstag wurden die Erfahrungen gemeinsam reflektiert, Fallbeispiele besprochen und die Anwendung des Ansatzes weiterentwickelt.
Prof. Dr. Simone van Kampen erlebt dabei immer wieder, welchen Unterschied der Ansatz für Therapeut*innen machen kann: „Am häufigsten berichten Teilnehmende von mehr Sicherheit in der Therapie – und mehr Freude an der Arbeit. Schließlich ist ein Befähigungsprinzip bei dem Ansatz: Lass es Spaß machen. Und das ist ein Treiber beim Lernen – sowohl für die Teilnehmenden als auch für die Klient*innen.“
Und auch die Teilnehmenden selbst heben den hohen Praxisbezug der Weiterbildung hervor: „Mir gefiel besonders, dass wir nach der Theorie mehrere Wochen Zeit hatten, uns in der Praxis auszuprobieren und dazu dann im Nachgang eine professionelle Rückmeldung bekommen haben.“
Auf die Frage, wie sie den Kurs in drei Worten beschreiben würden, lautete die Antwort „Vielseitig, praxisnah und bereichernd.“
Die HsH-Akademie bedankt sich herzlich bei Prof. Dr. Simone van Kampen für die fachliche Leitung und ihr großes Engagement sowie bei allen Teilnehmenden, die ihre Erfahrungen offen geteilt und die Weiterbildung mit ihren Perspektiven bereichert haben.
Der nächste Durchgang der Weiterbildung startet am 4. Februar 2027.
Im Interview spricht Prof. Dr. Simone van Kampen darüber, was den CO-OP-Ansatz auszeichnet und welche Erfahrungen sie mit den Teilnehmenden der ersten Weiterbildung gemacht hat:
Was unterscheidet den CO-OP-Ansatz von anderen Methoden?
CO-OP wurde von Anfang an wissenschaftlich entwickelt und durchgehend von Evidenz begleitet – das unterscheidet den Ansatz von vielen Methoden, die erst nachträglich beforscht wurden. Inhaltlich dreht CO-OP die klassische Therapeutenrolle um: Nicht ich löse das Problem – das Kind lernt kognitive Strategien, mit deren Hilfe die Schwierigkeiten bei motorischen Fertigkeiten Schritt für Schritt überwunden werden. Es geht nicht um das Trainieren von Basisfertigkeiten, sondern um motorisches Lernen anhand selbstgesetzter Ziele. Darin wird das Kind mittels mentaler Werkzeuge unterstützt. Auch der gut belegte Transfereffekt spielt dabei eine Rolle: Kinder verbessern sich auch in Aktivitäten, die nie direkt geübt wurden. Dazu nutzen sie die kognitive Strategie auch bei anderen zu erlernenden Fertigkeiten.
Für welche Klient*innen eignet sich der Ansatz besonders?
Entwickelt wurde CO-OP für Kinder mit Umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF). Heute kommt er auch bei ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, nach erworbenen Hirnverletzungen und bei Erwachsenen nach Schlaganfall zum Einsatz. Voraussetzung ist die Fähigkeit zu verbaler Kommunikation und gemeinsamer Reflexion. Entscheidend: Die Ziele wählt immer der Klient beziehungsweise die Klientin selbst.
Was hat die Teilnehmenden besonders ausgezeichnet bzw. motiviert, an der Weiterbildung teilzunehmen?
Die meisten sind erfahrene Therapeutinnen mit einer konkreten Frage im Kopf: Was kann ich anders machen? Wie kann ich den leitlinienkonformen CO-OP-Ansatz mit Erfolg in der Praxis nutzen? Einige kommen, weil sie bei bestimmten Kindern mit bisherigen Methoden nicht weiterkommen. Diese fallbezogene Motivation ist eine ausgezeichnete Lernvoraussetzung und fördert die schnelle Umsetzung in die Praxis. Auch die Begeisterung anderer Kolleginnen im Team und die Nachfrage von z. B. Kinderärztinnen führt die Teilnehmenden zur CO-OP-Fortbildung.
Was waren die wichtigsten Lernerfolge der Teilnehmenden?
Der größte Schritt ist oft ein Haltungswechsel: zuhören statt lösen, beobachten statt korrigieren. Dazu kommen konkrete Kompetenzen wie systematische Performanzanalyse und strukturierte Zielgespräche. Am häufigsten berichten Teilnehmende von mehr Sicherheit in der Therapie – und mehr Freude an der Arbeit. Schließlich ist ein Befähigungsprinzip bei dem Ansatz: Lass es Spaß machen. Und das ist ein Treiber beim Lernen – sowohl für die Teilnehmenden als auch für die Klientinnen.
Vielen Dank für das Interview, Simone van Kampen!