Einmal im Monat stellt das GenderNetz die "Quelle des Monats" vor. Dies kann eine spannende Podcastfolge sein oder auch eine Fachartikel- oder Buchempfehlung. Im Archiv können die Empfehlungen der Vormonate eingesehen werden.
Wenn Du Menschen in deinem (Lehr)Alltag hast, dessen Pronomen nicht “er” oder “sie” ist und du ins Stocken kommst, wenn du über diese Menschen sprechen möchtest, gibt es hier die Möglichkeit auszuprobieren.
Die Webseite ermöglicht die Anwendung von Deutscher Grammatik mit Neopronomen, wie z. B. they/them, keine Pronomen oder xier, zu üben.
Der Tagungsband zur Fachtagung „Innovativ – Exzellent – Sichtbar“, welche im März 2025 in Berlin stattfand, präsentiert über 40 Beiträge aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Praxis , die verdeutlichen, wie vielfältig die Ansätze zur strukturellen Erhöhung der Sichtbarkeit innovativer Frauen sind. Sie reichen von Konzepten für eine gendergerechte KI-Entwicklung über Initiativen zur Förderung weiblicher Führungskräfte bis zu Formaten, die sich an weibliche Gründerinnen richten oder gezielt Role Models sichtbar machen.
Seit ihrem viel besprochenen Erstling „Das Patriarchat der Dinge“ (Dumont 2021) ist die Journalistin, Podcasterin und USA-Kennerin Rebekka Endler eine gewichtige jüngere Stimme im hiesigen feministischen und gesellschaftlichen Diskurs. In diesem Jahr erschien im Rowohlt-Verlag nun ihre zweite Publikation zum Thema der Beständigkeit patriarchaler Mythen.
„Witches, Bitches, It-Girls“ beginnt mit einem Kapitel über die „Kampfzone Normalität“, in der Endler die Verschiebung zentraler Diskurse nach rechts genau und überzeugend nachzeichnet. Danach werden in einzelnen Kapiteln zum romantischen Frauenbild oder zur Chiffre der Hexe einzelne patriarchale Mythen beschrieben und analysiert. Endler erweist sich dabei als schlaue Dialektikerin, der es gelingt, patriarchale Stereotype zwar als solche entlarven, die aber andererseits diese Denkfiguren auch immer für andere Lesbarkeiten offenhält. Von besonderer Qualität sind Rebekka Endlers Analysen jüngerer Medienphänomene, wenn sie etwa in einem Kapitel die Geschichte der „Bro-, Rape- & Cancel-Kultur“ der letzten Jahre mit zahlreichen Verweisen nachzeichnet.
Nicht an jeder Stelle überzeugt in Endlers Buch die Aufarbeitung der Diskursgeschichte einzelner Motive. So gibt es im Kapitel über die toten Frauen in der Romantik etwa keinerlei Verweis auf Elisabeth Bronfens wegweisende wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Topos. Wer sich aber einen Eindruck vom aktuellen Stand feministischer Debatten in den Bereichen (Pop-)Kultur, Gesellschaft und Politik machen möchte, der und dem sei dieses ausgezeichnet geschriebene Buch unbedingt empfohlen.
Rowohlt 2025, 25.- €
(HJK)
Im Podcast des Zentrums für Geschlechterstudien (ZG) der Universität Paderborn "Zeit für Gender" werden aktuelle, wissenschaftliche Zusammenhänge rund um die Themen Geschlecht, Feminismus und Gender Studien besprochen. Viel Spaß beim Reinhören!
Gendern.ch ist eine Webseite, die sich an Hochschulmitglieder und andere Interessierte richtet, um eine geschlechtergerechte Sprache zu fördern. Sie basiert auf einer Dissertation der Universität Zürich aus dem Jahr 2023.
Sie können den kostenlosen „Best-Practice-Leitfaden“ namens „RespAct!“ herunterladen, der auf die Hochschulkommunikation zugeschnitten ist und Empfehlungen sowie praktische Beispiele für eine geschlechtergerechte Sprache, inklusive non-binärer Personen, enthält.
Im Interviewpodcast #ForscherinnenFreitag sprechen innovative Frauen aus der Wissenschaft. Studentinnen, Professorinnen, Preisträgerinnen, Pionierinnen, Entwicklerinnen, Gründerinnen und Tüftlerinnen über das, was sie an ihrer Arbeit begeistert, wie sie dahin gekommen sind, wo sie jetzt sind und wohin ihr Weg einmal führen soll. In dieser Auftaktfolge gibt es ein paar Hintergrundinfos und einen Einblick, was im Rahmen des Projektes #InnovativeFrauen getan wird - und vor allem, warum.
Der Podcast #ForscherinnenFreitag bietet Wissenschafts-Interessierten verständliche Einblicke in die Forschungsarbeiten innovativer Wissenschaftlerinnen. Obwohl das IFiF-Projekt im August 2024 ausgelaufen ist, stehen die 30 Folgen des Interviewpodcasts #ForscherinnenFreitag weiterhin zur Verfügung.
Alle Folgen finden Sie hier auf Youtube, Spotify, Deezer oder Apple Podcasts.
Genderleicht & Bildermächtig ist ein Projekt des Journalistinnenbund e.V. und zeigt, wie faire Medienarbeit einfach und immer funktionieren kann. Auf ihrer Webseite wird berichtet über Aktuelles aus den Medien - wie Stereotype und Klischees immer wieder bedient werden und wie sich das vermeiden lässt. Zudem gibt es praktische Anregungen für gendersensiblen Sprachgebrauch. Oder spannende Einblicke, warum Gendern soviel Streit auslöst, gerade, wenn es um Medien geht.
"Bildermächtig – der Film" ist eine tolle Einführung in das Thema. Wir wüschen viel Spaß beim stöbern!
Gute Lehre ist gender- und diversitätsbewusst!
Die Freie Universität Berlin stellt eine Toolbox zur Verfügung, in der Sie einführende Informationen und praktische Hinweise finden, die Sie bei der Planung und Gestaltung Ihrer Hochschullehre unterstützen.
Das Angebot richtet sich an Dozierende, die Inspiration für gute, diskriminierungskritische Lehre suchen – sowie an alle andere Interessierte.
Als Einstieg in die Toolbox, lohnt sich ein Blick in den dreiminütigen Erklärfilm, welcher vorstellt, wie vielfältig die Lebensrealitäten von Studierenden sind, warum gender- und diversitätsbewusste Hochschullehre wichtig sind und nennt unterschiedliche Ansatzpunkte für gute Lehre.
"Unconscious Bias", unbewusste kognitiven Wahrnehmungsverzerrungen entstehen im Zusammenhang mit Stereotypen, Vorurteilen und gesellschaftlichen Diskriminierungsprozessen. Sie wirken sich auf unser Urteilsvermögen uns Handeln aus. In Personalauswahlentscheidungen können sie dazu führen, dass wir Menschen unbewusst unfair bewerten - auch wenn wir denken, dass wir objektiv handeln.
Es erfordert Problembewusstsein, Selbstreflexion und gezieltes Training, um unbewusste Vorurteile in Auswahlsituationen aktiv zu minimieren. Im Auftrag der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen und durch das Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) hat das Hochschulbüro für Chancenvielfalt der Leibniz Universität Hannover einen kurzen Film erstellt.
Noch druckfrisch ist die neue Graphic Novel von Ulli Lust, Professorin für Illustration und Comic an der Fakultät III. Die Autorin spürt in ihrem bei Reprodukt erschienenen Comic den matriarchalen Traditionslinien in der Frühgeschichte der Menschheit nach. Indem sie die massive Präsenz von weiblichen Portraits, Körperbildern und von weiblichem Körpererleben nachzeichnet, lässt Ulli Lust unerwartete urzeitliche Portraits entstehen und legt dabei immer wieder die heteronormativen Prägungen in der frühgeschichtlichen Geschichtsschreibung offen. Virtuos überlagern und verknüpfen sich in Ulli Lusts Graphic Novel autobiographische Erzählelemente und Befragungen wissenschaftlicher Quellen. Auf diese Weise und dank der Kraft ihrer Bild- und Textwelten entfaltet „Die Frau als Mensch“ einen suggestiven Erzählfluss.
Das Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW hat im Rahmen des Forschungsprojektes "Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge" zu 54 Studienfächern Gender Curricula in einer Datenbank zusammengetragen. Es handelt sich dabei um Vorschläge zur Integration von Lehrinhalten der Frauen- und Geschlechterforschung in die Curricula von (fast) allen in der Bundesrepublik Deutschland studierbaren Studienfächern. Die Inhalte werden regelmäßig aktualisiert.
Das digitale Selbstlernportal Gendering MINT der HU Berlin bietet Einblicke in den Forschungs- und Lehrbereich Gender & MINT.
Die angebotenen Open Educational Resources (OER) regen das Reflektieren über Genderthemen in den Natur- und Technikwissenschaften an. Die OER sind so konzipiert, dass sie in der Hochschullehre insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fachdidaktiken, aber auch in den Sozial- und Kulturwissenschaften eingesetzt werden können.
Sie ermöglichen ebenso Studierenden der Natur- und Technikwissenschaften einen Zugang zu Genderthemen und verknüpfen die natur- und technikwissenschaftlichen Wissensbestände und Arbeitsweisen mit denen der Sozial- und Kulturwissenschaften.
Im Monat Januar stellt das GenderNetz einen neuen Sammelband an der Schnittstelle zwischen Gender & Diversity Studies in MINT und den Naturwissenschaften, herausgegeben von Sarah Huch und Martina Erlemann, vor.
Gender und dessen Zusammenwirken mit weiteren Diversity-Dimensionen wie etwa soziale Herkunft, ein (zugeschriebener) Migrationshintergrund oder sexuelle Orientierung stehen an Hochschulen verstärkt im Fokus. Gefordert sind dabei auch gender- und diversitysensible Ausrichtungen der Forschung und Lehre der MINT-Fächer sowie der hochschulischen Lehramtsausbildung für MINT. Welche inhaltliche Relevanz haben Gender- und Diversity-Aspekte in Fachkultur, Forschungsinhalten sowie im Wissenschaftsverständnis der Naturwissenschaften? Wie strukturieren Geschlecht und andere soziale Differenzkategorien die Forschung? Wie kann eine Gender- und Diversity-Kompetenzen vermittelnde Lehrer*innenbildung aussehen?
Auf diese Fragen geben die interdisziplinären Beiträge der Wissenschaftler*innen, etwa aus Physik, Biologie, Medizin, Feminist Science & Technology Studies sowie die naturwissenschaftlichen Fachdidaktiken Antworten. Ansätze sowie Wissensbestände der Gender & Diversity Studies in MINT werden mit den gender- und diversityausgerichteten Naturwissenschaftsdidaktiken zusammengeführt. Mit vielfältigen Anregungen ermutigen sie zu einer gender- und diversityorientierten Ausrichtung der (eigenen) Forschung und Lehre.
Wer macht eigentlich Wissenschaft? Und weshalb ist es in unserer Vorstellung immer noch „der Wissenschaftler“?
In PICTURE A SCIENTIST nehmen sich eine Biologin, eine Chemikerin und eine Geologin dieser Fragen an und führen das Publikum auf eine Reise durch die Erfahrungen ihrer akademischen Laufbahn – als Frauen der Wissenschaft.
In ihren Karrieren sind sie von Beginn an Diskriminierungen ausgesetzt. Wissenschaftlerinnen müssen einen stetigen Kampf um Anerkennung, Respekt und Gleichberechtigung führen.
Der Dokumentarfilm gibt Hoffnung, denn er erzählt die Geschichte von Stärke und Solidarität, von mutigen Wissenschaftlerinnen, die sich gegen Ungerechtigkeit stemmen und einen weltweiten Diskurs des Wandels und der Gleichberechtigung ins Rollen bringen. In futuristischen Laboratorien und auf spektakulären Schauplätzen der Feldarbeit macht er deutlich, von welch unschätzbarem Wert die Arbeit von Forscherinnen ist und wie sich die Wissenschaft durch systematische und strukturelle Umwälzungen zum Besseren bewegen lässt – für eine Welt, in der Mädchen ihren Traum vom Forschen verwirklichen können, für eine Welt voller Biologinnen, Astronautinnen, Chemikerinnen und Mathematikerinnen. (Quelle: https://mindjazz-pictures.de/filme/picture-a-scientist/)
Dipl.-Päd. Hans-Werner Klein und Dipl.-Psych. Prof. Dr. rer. nat Thomas Wirth sprechen über den Gender Data Gap in der KI und die teils dramatischen Folgen.
"Es gibt auch nicht insgesamt zu wenige Daten. Aber von manch lebenswichtigen und überaus notwendigen Daten gibt es zu wenige: In manchen Bereichen, zum Beispiel wenn es um unsere Spezies Mensch geht, fehlt gar die Hälfte, also 50% des Rohstoffs. Die fehlenden Daten wären notwendig, damit wir saubere, valide und zuverlässige KI-Modelle erstellen können.
Denn: Was Daten anbelangt, sind Frauen das „unsichtbare Geschlecht“. Ob in der Forschung von Medikamenten oder auch in der Notfallmedizin, der Produktgestaltung von Alltagsgegenständen oder Fahrzeugen – Frauen, ihre Anatomie, ihr Stoffwechsel, Hormonzyklen – ihre Daten werden nicht erhoben."
Ein kraftvolles und provokantes Plädoyer für Veränderung!
Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren. Caroline Criado-Perez erklärt, wie dieses System funktioniert. Sie legt die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Die so entstandene Wissenslücke liegt der kontinuierlichen und systematischen Diskriminierung von Frauen zugrunde und erzeugt eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt. Kraftvoll und provokant plädiert Criado-Perez für einen Wandel dieses Systems und lässt uns die Welt mit neuen Augen sehen.
Im September empfiehlt das GenderNetz einen Blick in die ARTE-Serie "Geniale Frauen".
In der 30-teiligen Stop-Motion-Serie werden die Lebenswege von Frauen nachgezeichnet, die die Menschheitsgeschichte prägten und erklärt, warum sie zu Unrecht in Vergesenheit gerieten.
Ada Lovelace schrieb den ersten Algorythmus der Geschichte. Lange galt Ada Lovelace nur als Geliebte des Erfinders der ersten Rechnenmaschine und wurde ignoriert. Dabei war sie eine Visionärin! Heute gibt es den "Ada Lovelace Tag" der Leistungen von genialen Frauen in der Wissenschaft - insbesondere im MINT-Bereich - feiert.
"Der Schädel von Männern ist im Verhältnis zu ihrem Körper kleiner als der von Frauen. Daher müssen Männer intelligenter sein als Frauen - diese und ähnliche Aussagen wurden in den vergangenen Jahrhunderten dazu genutzt, die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen zu legitimieren."
In der Podcastfolge geben Host Lucie Kluth und Wissenschaftsjournalistin Yasmin Appelhans Einblick, wie es um die Gleichberechtigung der Geschlechter im Wissenschaftsbetrieb steht.
Welche Faktoren wirken sich auf die 'LeakyPipeline' an Hochschulen aus? Die 'Leaky Pipeline‘ bezeichnet den absinkenden Frauenanteil auf den verschiedenen Qualifizierungsebenen und Karrierestufen, je höher sich eine Person auf der Karriereleiter befindet. Der Begriff weist auf eine fortbestehende strukturelle Ungleichheit von Frauen und Männern hin.
Und welche Auswirklungen hat es wiederum auf den Wissenschaftsbetrieb, wenn mehrheitlich Männer in Spitzenpositionen sind und bestimmen worüber geforscht wird?
Warum ist es auch von gesellschaftlichem Interesse, dass die Wissenschaft divers ist?