Genderaspekte in der Forschung


Genderaspekte in der Forschung

Die Stelle dient der Stärkung der Genderforschung und unterstützt Frauen in Forschung und Wissenschaft an der Hochschule Hannover. Als Bestandteil der Stabsstelle für Forschung, Entwicklung und Transfer sind die Angebote fakultätsübergreifend und richten sich an Forschende aller Qualifikationsstufen an der Hochschule Hannover.

Zu den Arbeitsfeldern gehören:

  • Beratung und Serviceleistungen zur Integration von Gender in Forschungsvorhaben und –anträgen

  • Erhebung und Auswertung von themenrelevanten Daten der Hochschule

  • Evaluation der Genderforschung an der Hochschule Hannover

  • Organisation von Informations- und Netzwerk-Veranstaltungen für (Nachwuchs)Wissenschaftlerinnen an der Hochschule Hannover

  • Durchführung eines Forschungsprojekts zu Forschungsmotivationen und –hemmnissen bei Frauen

  • Öffentlichkeitsarbeit 


Leitfaden zur Integration von Gender in Forschungsvorhaben

Die sozialwissenschaftliche Bedeutung von „Gender“ ist angelehnt an das Verständnis des Wortes im Englischen. Hier wird differenziert zwischen Sex und Gender. Während Sex sich auf das biologische Geschlecht bezieht, bezeichnet Gender das zugeschriebene, soziale, also in Interaktionen „hergestellte“ Geschlecht. In den Gender Studies gelten Geschlechterrollen und Vorstellungen von Geschlecht nicht als essentiell, sondern als kulturell wandelbar und temporär. Ist Gender Gegenstand der Forschung, können alle Dimensionen von Geschlecht von Bedeutung sein. 

Nicht jedes Forschungsprojekt ist genderrelevant. Aber die Berücksichtigung von Gender- sowie anderen Diversitätsaspekten ist weitaus häufiger entscheidend für die Qualität von Forschung als weithin angenommen wird. Beispiele finden sich zahlreich, auch in den Natur-, Technik- und Ingenieurswissenschaften (vgl. Gendered Innovations). Ungleichheitskategorien angemessen in Forschungsprojekten zu berücksichtigen, stellt jedoch oft eine Herausforderung dar.

Der Leitfaden der HsH soll Forschenden dabei helfen, in einem ersten Schritt die Genderrelevanz des eigenen Vorhabens zu überprüfen. Danach gibt der Leitfaden als Überblick Handlungsempfehlungen, wie bei (vorhandener oder nicht vorhandener) Genderrelevanz verfahren werden kann. Für eine ausführliche Prüfung und Beratung oder bei jeglichen, diesbezüglichen Fragen steht ihnen die Stelle Genderaspekte in der Forschung in der Stabsstelle FuE gerne zur Verfügung.

Leitfaden Gender in der Forschung

Quellen und weiterführende Informationen

Bührer, Susanne; Schraudner, Martina (Hg.) (2006): Wie können Gender-Aspekte in Forschungsvorhaben erkannt und bewertet werden? Discover Gender: Ein Projekt der Fraunhofer Gesellschaft gefördert durch das BMBF. Fraunhofer Verlag IRB

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005): Arbeitshilfe zu § 2 GGO. Gender Mainstreaming in Forschungsvorhaben (Ressortforschung). Verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/blob/80448/292e691a5db4b14dc3d29e8636e9c89d/gm-arbeitshilfe-forschungsvorhaben-data.pdf

Deutsche Forschungsgemeinschaft (2017): Die „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ der DFG. Verfügbar unter: http://www.dfg.de/foerderung/grundlagen_rahmenbedingungen/chancengleichheit/gleichstellungsstandards

European Commission (2009): Toolkit Gender in EU-Funded Research. Verfügbar unter: yellowwindow.com/genderinresearch/downloads/YW2009_GenderToolKit_Module1.pdf


Teaser "Genderforschung an der Hochschule Hannover"

Filmbeitrag zu Genderforschung an der HsH

Die Stelle "Genderaspekte in der Forschung" hat für das Portal www.wissen.hannover.de der Initiative Wissenschaft Hannover einen Filmbeitrag über Genderforschung an der HsH produziert:

Wenn überhaupt, sind Geschlechterfragen ein Thema in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung, so ein gängiges Vorurteil. Dass das nicht stimmt und Genderforschung sich auch nicht auf die Gegenüberstellung „Mann“/„Frau“ reduzieren lässt, zeigt ein Video der HsH für die Initiative Wissenschaft Hannover. Dabei wird auch deutlich, dass gerade die anwendungsorientierte Forschung der Fachhochschulen dazu befähigt ist, soziale Ungleichheiten in den Blick zu nehmen.


Förderung von Genderforschung

Bei der Förderung von Gender muss unterschieden werden zwischen der Förderung von Gleichstellung in Forschung und Wissenschaft sowie Ausschreibungen, die auf Forschungsvorhaben im Bereich Gender bzw. die Integration von Geschlechterfragen in die Forschung abzielen. Allein der zweite Punkt lässt sich der Förderung von Genderforschung zuordnen.

Zwar ist Gender und Chancengerechtigkeit z.B. im 7. Forschungsrahmenprogramm des EFR (Europäischen Forschungsraums) ein eigener Artikel gewidmet. Explizite Förderungen von Genderforschung existieren dennoch sowohl auf EU-, Bundes- als auch auf Landesebene kaum. Andererseits wird dort bei der Vergabe von Fördermitteln die Integration von Genderforschung bzw. die direkte Adressierung von Geschlecht im Rahmen der meisten Ausschreibungen stark befürwortet. So ist Genderforschung eben auch nicht nur in Programmen innerhalb der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften möglich, sondern grundsätzlich in allen Fachrichtungen.      

Ausschreibungen

Die Stabsstelle Forschung, Entwicklung und Transfer bietet eine Übersicht über Förderinstitutionen und Links zur Suche nach geeigneten Programmen:
https://www.hs-hannover.de/forschung/kooperationsmoeglichkeiten/#antragsforschung

Im EU-Programm Horizont 2020 ist die Suche nach Ausschreibungen mit Gender-Bezug möglich:
https://ec.europa.eu/research/participants/portal/desktop/en/opportunities/h2020/ftags/gender.html

Die Stelle "Frauen in der EU-Forschung" (FiF) berät Wissenschaftlerinnen zu Horizont 2020 und bietet Unterstützung bei der Antragstellung. Außerdem wird über Genderthemen in der EU-Forschungspolitik und zur Integration der Genderdimension in EU-Projekten informiert:
http://www.eubuero.de/fif.htm

Ausschreibungen, bspw. von Stipendien, finden sich außerdem auf der Internetseite der Fachgesellschaft Geschlechterstudien/Gender Studies Association:
http://www.fg-gender.de

 


Veranstaltungen und Workshops

Gender und Diversityforschung ist nicht auf die Sozial- und Geiteswissenschaften beschränkt, sondern per se multidisziplinär. Sie bearbeitet eine große Bandbreite an Fragestellungen und bedient sich dabei teils sehr unterschiedlicher methodischer und theoretischer Zugänge. Was alle Forschungen eint, ist die Frage, inwieweit Geschlecht und/oder andere Kategorien sozialer Ungleichheit (bspw. Alter, Gesundheit, Ethnizität, Weltanschauung, Bildung) Lebenspraktiken beeinflussen und Ein- und Ausschlüsse herstellen.

Die Stelle "Genderaspekte in der Forschung" bietet allen Fakultäten an der Hochschule Hannover (fachspezifische) Veranstaltungen und Workshops an, die helfen, sich mit der Gender- und Diversityforschung und ihren Möglichkeiten vertraut zu machen.

Das Angebot reicht von der Einladung externer WissenschaftlerInnen in Lehrveranstaltungen über Vorträge bis hin zu Workshops zu unterschiedlichen Fragestellungen:

  • Die Integration von Geschlecht und Diversität in Forschungsprojekte, die vermeintlich keine Schnittmengen mit diesen Gegenständen haben, kann oft gewinnbringend sein. In einem Workshop lässt sich erarbieten, wann ein genauerer Blick auf Ungleichheitskategorien sinnvoll und was dabei zu berücksichtigen ist.
  • Bspw. in den Technik- und Ingenieurwissenschaften besteht manchmal das Vorurteil, dass die direkte Adressierung der Kategorie Geschlecht in ihren Disziplinen nicht notwendig sei. In Vorträgen oder Lehrveranstaltungsbesuchen zeigen WissenschaftlerInnen anhand ihrer eigenen Forschungsprojekte, dass diese Annahme nicht zutrifft.
  • Die Gender- und Diversityforschung sieht sich oft Kritik ausgesetzt, z.B. in Bezug auf ihre Wissenschaftlichkeit, ihre Nützlichkeit oder ihre (vermeintliche) ideologische Positionierung. Wie sich die Forschungsrichtungen entwickelt haben und welche Argumente für sie sprechen, kann in Workshops erläutert und diskutiert werden.

Wenn Sie Interesse an einer Veranstaltung haben, wenden Sie sich bitte an Frau Dr. Dangendorf.